Es gibt Momente, in denen man einfach mal die Fresse halten sollte. (Leser mit Abneigung gegen Kraftausdrücke bitte hier klicken!) Ich habe das erst vor kurzem wieder erfahren und muss nun schauen, wie ich das Fett von meinen Turnschuhen bringe. Life’s hard, und das kam so:
Mein Nachbar hat neuerdings einen Firmenwagen (im Bernischen gerne auch „Budechare“ genannt) erhalten. Aber nicht ein dezenter Kombi, wie es für Firmen üblich ist. Sondern ein kleiner Flitzer, vollgepappt mit den bunten Werbeslogans seines Arbeitgebers. (Ich bezweifle sogar, dass so viel Werbung auf einer so kleinen Fläche noch legal genannt werden darf. Also, Hüter des Gesetzes: aufgepasst!)
Nun, aus meiner Sicht ist eine rollende Plakatwand nicht das optimale Werbemittel. Sicher nicht unwirksam, aber je nach Fahrstil des Mitarbeiters eventuell recht kontraproduktiv. Wie oft habe ich den kleinen, weissen Lieferwagen mit der Aufschrift „Parkettböden Neuenschwander –Der beste Service nur für Sie!!“ schon verflucht, weil der Lenker seine Laminatbretter wie der letzte Henker durch das Dorf chauffiert hat. Mit den Gedanken: „Bi dir, du Glünggi, wird IG sicher nie mini Stube la verschönere!“ kühle ich mich dann meistens ab.
Item: Der Punkt ist, dass man meinen Nachbarn mit seinem bunten Auto sogar noch in der tiefsten Nacht ohne Licht erkennen kann. Sag mal schön zu der lieben Frau Anonymität good-bye!
So war ich in einer solchen tiefen Nacht vor einer Bar (die mit dem selbstgebrauten Bier - fünfundzwanzig Kilometer von der Nachbarschaft entfernt), da fährt doch genau dieses Einkaufswägelchen in den Parkplatz vor mir. „Was macht den mein Nebenhäusler hier?“, rattert es in meinen Grauzellen. Ich spaziere schon geistesgegenwärtig zu seiner Autotür, um ihn mit einem "chräftigen Chlupf" willkommen zu heissen. Doch irgendetwas sagt mir, nö, das ist er nicht. Das ist ne Frau. Die Sache war also erledigt und ich schwirrte ab.
Einige Tage später traf ich den Nachbarn aber vor seinem Haus und erzählte ihm exakt diese Geschichte: Von der Bar bis zum Parkplatz und dass eine alte Frau in seinem Wagen, aber haargenau in seinem Wagen, gesessen sei. Ganz erstaunt entgegnete mir mein Umwohner, dass er diese Person ganz sicher gewesen sei. Er hatte nämlich an diesem Abend ein Jassturnier in selbiger Bar gehabt... Ui, Anti-Aging-Salbe lässt grüssen!
Mein Gott, das nächste Mal schweige ich besser und behalte meine Gedanken für mich.

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