Montag, 5. November 2007

Das Ende des Tunnels





Das Ende des Tunnels

Ein Fazit muss her, nach dieser Reise.
Wenn Fazit ziehen: Auf welche Weise?
Nicht wie ne Wurzel, nicht wie ein Zahn,
ich studiere danach, es ist ein Wahn.
Um Fazite zu ziehen, welche was taugen,
muss ich kräftig an den Fingern saugen.
Soll ich nun sagen, die Amis sind dumm?
Nein, da bleib ich am Ende lieber stumm.
Solche Folgerungen sind nicht fair
und verletzten den Menschen immer sehr.
Bequem und dick, das würde stimmen,
doch kann ich dies nicht auf alle trimmen.
So bleib ich am besten beim Finger saugen,
bleibe bei Faziten, welche nichts taugen.
Dann kann ich mit dem Land in Frieden leben,
muss nicht erneut nach Versöhnung streben.
Der Schluss daraus ist mehr als recht,
Amerika ist am Ende nur halb so schlecht.


(Geschrieben in der Schweiz; 05.11.07)


Letzter Newsletter aus Amerika




Nun, das Leben nahm so seinen Lauf und verfrachtete mich in einer Blitzgeschwindigkeit wieder zurück in die Schweiz. Kanton Bern. Landschaftlich und Landwirtschaftlich: Wichtrach.

Liebe Leserin, lieber Leser, Ihr habt schon lange nichts mehr von mir gehört. Das tut mir Leid und dass es mir Leid tut, das kam so:

Freaky Friday heisst das Zauberwort des Vorfreitages vor Halloween. Die Sage rund um Jack o’ Lantern, welcher auf der Erde als untote Seele wandern muss bis er alle seine Laster abgelegt hat, belegt, dass der letzte Freitag vor Halloween ein Pechstag ist. Analog Freitag der 13. (Übrigens: Dieser Freaky Friday war der 26. Oktober und 26 durch 2 gibt auch 13. So scarry...Uuhh)

Jack, der alte Bauerntölpel, hat sein ganzes Leben lang seine Mitmenschen zum Narren gehalten und schlussendlich einen Deal mit dem Teufel abbekommen: Keine lebenslange Verdammung, dies aber nur unter der Bedingung, dass die Seele so lange auf der Erdkruste umherirren muss, bis entweder die Amis an Überzuckerung gestorben oder alle Süssigkeitsvorräte von Wall Mart verscherbelt sind.

Bis jetzt ist es dem armen o’ Lantern nicht gelungen. Die Amis werden immer wie breiter (und wollen einfach nicht platzen!) und Wall Mart hat mit Ben & Jerry's zusammengespannt und produziert die süsse Schande immer weiter und weiter. Die Hölle war dem Jack noch nie so nahe.

Genau wie mir. Dieser Freitag hatte es in sich. Alles was schief gehen konnte ging schief. Und alles was gerade hätte werden können wurde schief. Das Abreisedatum und sogleich „Tor zur Schweiz“ rückte immer wie weiter in die Ferne. Ja, versank gerade zu im dichten Nebel, welcher bei uns seit einigen Tagen über der amerikanischen Einöde lag.

Nichts desto trotz. „Mir Schwyzer si eifach herti Gringe und kämpfe witer, ou wes Chatze haglet. (Wie Alpöhi damals zum kleinen Heidi vertrauensvoll gesprochen hatte: „E rächte Schwyzer mit Frou u Ching het Haar ufem Ranze u niid ufem Gring!“) Weiter geht’s mit Chrampfe. Die nächsten Tage sind mir nur noch schleierhaft vor meinem inneren Auge vorhanden. Quasi wie eine aussermenschliche Erfahrung zwischen dem langen Tunnel mit grellem Licht und zuwenig Schlaf. In meinem Kopf schallte aber immer die liebliche Stimme von Alpöhi und ermutigte mich zum Workaholic- Exzess.

So wurde Mittwoch, 31.10., Tag der Allerheiligen, Halloween und zugleich geplanter Abreisetag.

Nach langen Diskussionen, Tränen und „bear hugs“ erreichte ich doch noch, in exzellenter Hollywood- Manier, den Flughafen. (Den Flieger auch noch, dies aber ist doch eher nebensächlich.)

Am darauffolgenden Donnerstag kam ich in Zürich an. Müde vom Durcharbeiten und zerknittert von der langen Nacht im Flugzeug. (Wieso müssen immer dann die kleinen Amerikanerli (nein, das ist nichts zum Essen wie „Berliner“ oder „Baslerläggerli“ sondern nur ein Baby...) die ganze Nacht durchschreien, wenn ich die Oropax im Kulturbeutel vergessen habe?) Die lange Reise hat sich gelohnt. Ein tolles Wiedersehen hat es gegeben, keine Frage.

Doch die Reise geht bald weiter. Italien ruft mit sanftem Gesang! Es geht nach Brescia und zwar am 14.11.07. Dort gibt's wenigstens nur beschränkt Hamburger. I'm curious about it.



Samstag, 27. Oktober 2007

Heimweh





Weni wit wäg bi, de gspüre ig e Schmärz,
Ig vermisse mini Liebi.
U ig merke, es tuet so weh im Härz.

Die Gfüehl si so real, si roube mir dr Schlaf,
schlimmer als jede Alptroum.
Öb so öppis em ne Reisende passiere darf?

Ig dänke, chley Heimweh, das isch normal.
Jede darf doch sini Gfüehl usläbe?
Am Mönsch sini Seel isch schliesslech nid us Stahl.

Bim Siniere, de dänke ig a mis Dahei,
Bi scho fasch wider dert,
U wär zum Glück so plötzlech nüm allei.

Drum schliesse ig itz mini Ouge,
und bi wider churz ir Schwiz,
ig mues eifach nume starch dra gloube.


Ig chume am Mittwuch wider hei. Ig fröie mi.

Donnerstag, 25. Oktober 2007

Newsletter aus Amerika X; 26.10.07




Weisst Du wie es sich anhört, wenn der zimmereigene Feuermelder angeht? Nicht wegen Eigenverschulden, nein, wegen den Indern.

(Wenn ich nun den zweiten Satz so durchlese, dann merke ich, dass er vielleicht nicht ganz politisch korrekt geschrieben ist. Ich werde dies aber etwas später klären.)

Die Sirene des Feuermelders fühlt sich etwa so an, wie wenn Dir mit einer riesigen Goldbarre das Hirn aus dem Kopf geklopft wird. Oder wie ein galaktischer Donnergrollen. Oder wie die Pizza "Diablo" vom Luigi (der vorne an der Ecke). Glaube mir, Du musst einfach aus dem Zimmer in den Gang hinaus und von dort ins Freie. (Ich glaube, dies könnte auch das Ziel dieses Feueralarms sein. Egal...)

Doch etwas fehlte an der ganzen Sache: Wo blieb der Rauch? Wo das Feuer? Nur ein strenger, verbrannter Gestank nach Curry lag in der Luft. Da ging mir ein Lichtlein auf: Die Inder.

Ich glaube ich muss etwas ausholen: In dem Hotel (eigentlich ist es kein richtiges Hotel, eher ein Haus mit vielen Suiten und einem Romservice) leben zu 98% Inder und der Rest sind wir, die Schweizer. Die Inder arbeiten in einer nahegelegenen Informatikgesellschaft als Programmierer. Mitgenommen nach Amerika haben sie ihre Kinder und die Frau, welche jeden Abend in den farbigsten Tönen für den hungrigen (aber trotzdem hageren) Ehemann kocht. Zum Zubereiten der Speisen haben sie meistens die Türen offen, aus diesen Öffnungen verströmt sich der Geruch der Gewürze und der indischen Musik (vermischt mit lautem indischen Getratsche) in das ganze Hotel. Wenn dann halt das Getratsche zu intensiv wird und die Bräune des Currys zunimmt, wird Dir das Hirn mit einer Goldbarre aus dem Kopf gematscht. Feueralarm.

Als ich heute aus der Suite sputete (den Fotoapparat konnte ich noch rechtzeitig einpacken) und danach vor dem Hotel stand, kam ich mir schon etwas dumm vor. Weder Portemonnaie, Reisepass noch Pullover hatte ich auf mir. Was, wenn die Flammen doch existiert hätten? Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich mich im Verlauf des Abends noch verbessern konnte. Der Feueralarm ging vier Stunden später noch ein zweites Mal los.





Grosses Aufgebot der Morris Plains Feuerwehr: 1. Fehlalarm: Zwei Löschwägen, ein Einsatzleiterwagen, ein Polizeiauto.
2. Fehlalarm: Zwei Löschwägen, ein Einsatzleiterwagen, zwei Polizeiautos und eine Ambulanz. Respekt.

Ich erinnere mich an Äsops Fabel "der Hirte und der Wolf". Dieser Hirte ruft zwei Mal aus Langeweile die Dorfbewohner zur Hilfe, weil angeblich der Wolf die Schafe angreifen wollte. Der Wolf war nicht vorhanden und die Dorfbewohner waren über diesen Streich gar nicht erfreut. Beim dritten Mal griff der Wolf tatsächlich die Herde an, da kam leider dem Hirten keine Hilfe mehr entgegen. Die Schafe wurden alle gefressen!

So hoffe ich, dass die Feuerwehr auch noch ein drittes Mal kommen wird.

Bis dann koche ich mir ein feines Aloo Gobi mit einem Masoor Dal. Oder doch lieber ein Fondue?

Dienstag, 23. Oktober 2007

Newsletter aus Amerika IX; 23.10.07




Da krabbelte diese grosse, haarige Spinne unter dem Frottetuchhaufen hervor, welcher vis à vis von der WC- Schüssel auf die Putzdame wartete, und genau auf mich zu. Lautlos heranschleichend wie die Mörder in den guten, alten Hitchcock Filmen. Nur ohne diese brutal aufgezogene und nervenzerreissende Spannung. Der Horror aber bleibt.

Ich, das Opfer, las genüsslich auf der bereits warmen Schüssel "The Record". Anfänglich spürte ich zwar keinen "Hauch des Todes", jedoch ein leichtes Kribbeln am linken Unterschenkel. (Dieses Gefühl ist aber auch nicht zu verachten!) Genau über dem einschneidenden Ende der Socke. Ein flüchtiges Kratzen mit der linken Hand (mit der Rechten hielt ich immer noch die Zeitung - und die Augen fixierten die Zeilen) bis sich das unbekannte Gefühl am Bein nicht als eine Fliege oder sonst was entpuppte, sondern als eben diese fette, grosse schwarze Spinne. Da biss sie auch schon zu.

Panik? Erstaunlicherweise nicht.

Nachdem ich die Spinne mit einem Glas gefangen und danach dem Abwasser gleichgemacht hatte, besuchte ich den lieben allerwelts- José von der Reception. Dieser erklärte mir dann, je grösser die Spinne sei, desto ungiftiger sei sie auch. Wobei ich später immer an die Vogelspinne denken musste, welche ja recht giftig und recht gross ist. Ein wenig Zweifel hatte ich schon noch an seiner Theorie. (José haben, nach seinen Angaben, schon mehrere duzend kleine und grosse "spiders" gebissen. Mit einem grossen Grinsen hat er mir gesagt: "I am alive!" Na dann: Happy Birthday!)

Doch mein Fuss ist immer noch dran (und auch nicht schwarz) und alles wird -hoffentlich- gut. (Beim Einschlafen hatte ich schon noch Mühe, das Bett suchte ich jedenfalls am Abend noch mehrmals nach anderen Spinnen ab.)

Gestern ist nun auch noch Bojan abgereist. Wir sind noch zu dritt vom gleichen Arbeitgeber. Zwei ältere Männer und ich.
Dementsprechend werden die Abende immer wie länger, das Hotelzimmer immer wie uninteressanter. Alleine in das Kino gehen ist doch auch recht öde und Schoppen macht auch halb so viel Spass. Darum kommt, zur Beschäftigung meinerseits, die Auswertung der Umfrage: "Was würdest Du am meisten von der Schweiz in Amerika vermissen."

Die besten Antworten: Worber Zwickelbier, Marronis, die Söhne Simon und Cédric (Mutti und Vati haben den Tränendrüsen- Trick angewendet!), Schweizer Hahnenwasser, YB (Naja!),
Peach Webber (Naja- Naja!), Volksmusik mit Sepp Trütsch (Aber nicht das Schweizer Fernsehen!), Berndeutsch (Aber nicht Zürichdeutsch!)
Die Jury muss sich nun noch über den GewinnerIn beraten.

Ich sage nur noch: Haltet die Spinnen an der Leine!

Sonntag, 21. Oktober 2007

Familiefride




Viele Leute fragten mich: "Warum denn nicht auf Mundart schreiben?" Nun gut Ihr lieben Leut, das muss ab heut nicht mehr so bleiben.





Liebs Mueti, liebe Papi

Mueti, ig bi imfau z' Amerika xi!
Weisch Mueti, itz bini ou drbii!
Ghöre itz ou zu dene, wo chöi plagiere!
Weisch Mueti, plagiere ohni z' studiere!
Im Portmi hani zum Bewis es Foti dinne,
für de Andere ihres Vertroue z' gwinne.

Weni scho nid bim "Militär" mitrede cha,
de ändlech itz mau bi däm Thema.
Ig verzelle vom amerikanische Läbe,
ohni mi würklech ar Wahrheit ds häbe.
Meinsch, dass mache all die RS- Buebe?
Sicher nid! U schüsch chasch de luege!

We mehreri Männer am Tisch tüe sitze,
geit's nid lang, chöme si, die Erinnerigs- Bitze.
De sta ig aubes lieber uf u zahle mis z' Trinke,
dräie mi um u tue de vo witem "adieu" Winke!
Aber hüt, da cha ig vo Amerika schwärme,
für das schwärme bruchts kei dumme Armee- Lärme.

Drum rüefe ig uf zum gwaltfreie Läbe,
und zu mim chline "Wältfride- Sträbe"!

Papi, weisch, ig wot mini Ching de ouno gniesse,
ig wot nid für se z' beschütze um mi schiesse.
Präventiv chönnti e Waffe vo hie id Schwiz mitnäh,
dass würd mir de sicher viu Sicherheit gä.
Schliesslech het ja jede "richtig" Eidgenoss
vor Armee e Dienstwaffe und scharfi Gschoss.
Ig las lieber lasi mit Waffe z' handle
und tue lieber mini Gedanke i Wort umwandle.

Das isch mini Waffe...



(Geschrieben in einem berndeutschen Delirium in New Jersey;
22.10.2007)


Freitag, 19. Oktober 2007

Newsletter aus Amerika VIII; 20.10.07




Gibt es noch Wunder auf dieser heutigen Welt? Ich glaube schon... und schon nur desshalb, weil ich heute Zeuge von einem geworden bin.

Wenn Du, liebe Leserin, lieber Leser in der vorherigen Zeile "weil ich heute eine Ziege bin" gelesen hast, dann würde ich 1. keine Drogen mehr nehmen oder 2. die Lesebrille aufsetzen.
Wenn Du aber nach der vorletzten Zeile gedacht hast: "Was, der ist jetzt einer dieser Zeugen mit diesen Traktätli und so geworden...", dann würde ich 1. die vorletzte Zeile noch einmal lesen oder 2. mit dem Text schnellstens fortfahren. (Nur so zur Verständigung.)

Also: Wie Ihr sicher wisst halte ich nicht viel von Sport. Und vom Sport machen schon gar nicht. Mir wurde zwar unerklärlicherweise zwei mächtige Sprinter- Waden in die Wiege gelegt (Eine Wade misst übrigens im Umfang mehr als Alex Zülles Oberschenkel im Umfang! Dies aber nur so am Rande...), jedoch habe ich diese bisher nur auf schwerste Bedrohungen meiner Sportlehrer eingesetzt. (Wie damals in der 7. Klasse als mich Herr Nydegger ganz vorwurfsvoll zur Seite nahm, die Hand auf die Schulter legte und mir mit einem tiefen Blick in die Augen sagte: "Itz Herrgott Cédu, für was hesch du so es Grüscht, we du das nidemau bruchsch... De chasches entweder id Brockestube bringe oder mir gä... ah ja, u schüsch bisch ungnüegend im Züger!")

Richtig gebraucht habe ich die beiden Fleischklumpen -ausser zum prahlen- bis heute nie.

Dann geschah es: Im brühenden Dampf der Dusche stand ich vor dem kristallenen Spiegel und starrte mein Gegenüber an. Glitzernde Silberperlen rollten mir über den noch vom heissen Wasser geschwollenen Oberkörper und prallten sogleich auf dem güldenen Marmorboden mit einem klirren auf. Das matte Licht der flackernden Kerzen verhüllte nur sanft den zur Musik mittschwingenden Doppelbauch (wippend im Takt des Bachschen Violinkonzerts Nr. 4).
Eine wohltuende Stimme flüsterte in meinem Kopf mit einem äusserst rabiaten Ton: " So, itze aber hü. Muesch öppis mache Cédu, schüsch wirsch no e richtige Ami, mit Hut u Haar u Umfang..."

Schnitt. Das Wunder ist vollbracht!

Eine Sekunde später stand ich vor Bojan's Zimmertüre und bettelte um kurze Trainerhosen (ein richtiger Serbe habe immer Fussballtrikothosen dabei, hat er mir erklärt...). Zwei Sekunden später stand ich mit einem Frotteetuch und Wasser vor dem Hotel. "Ob es wohl noch zu regnen beginnt?", fragte ich mich. "Egal, los geht's!"
Da meinte ich noch nach den ersten hundert Metern optimistisch, ob mir jetzt gerade ein Eichhörnchen wohlwollend zugeblinzelt habe, da spürte ich auch schon den ersten Regentropfen auf meinem Kopf.
Sollte dies schon das Ende meiner steilen Laufburschenkariere sein? Zum Glück besitzt das Hotel einen Fitnessraum mit Laufband. Den Rest des Abends verbrachte ich mit drei lustigen Indern (alle fünf Minuten nickte ich denen zu und feuerte sie an! "Go on, mr. bundi, go on!") in diesem Raum bis es mir nach 2.3 Meilen Laufbandgeratter schwindlig wurde. Fühlt sich so das "Runner's High" an? Wenn ja: Super. Wenn nein: Kreislaufkollaps. Morgen ist schliesslich auch noch ein Tag um die schlechte Welt, Armut und Übergewicht zu bekämpfen.


Cédric, die Mutter Theresa der Laufbänder