Mittwoch, 30. Januar 2008

Struwwelpeter




Wenn ich für meine Firma in einem anderen Land arbeite, dann packt mich die Lust der haarigen Veränderung.

Vorab: Ich mag meine, von Gott gegebenen Haare nicht. Ich kann die Konsistenz, die Form, die Farbe und die Länge nicht leiden. Und das meistens alles auf einmal. In dieser Beziehung könnte man mich als den „Hans im Schnäggeloch“ bezeichnen. Sind die Haare zu lang, will ich sie kurz, sind sie dann kurz, möchte ich sie wieder lang. Sind die Haare blond, möchte ich sie braun, sind sie braun, möchte ich sie schwarz und so weiter und so fort. Irgendwie scheisse, nicht?

Dazu kommt, dass ich den Gang zum Friseur sehr mag. Das Getratsche und das Herumfummeln in meinen Haaren finde ich toll. Im Ausland macht ein Coiffurebesuch noch viel mehr Spass, weil die Preise der Schneidekunst fast um die Hälfte tiefer sind.

So geschehen gestern abend (um wieder zum ersten Teil zurückzukehren). Aus blanker Langeweile (und weil mein Hotelzimmer so unspektakulär ist), suchte ich einen trendigen Haarmeister auf. Drei, mitte-dreissig-kleide-mich-aber-wie-zwanzig Klatschhühner dirigierten diesen Salon und freuten sich über den Besuch eines Schweizers. Dann ging das Übel los: Beraten und überzeugen lassen, Waschen, Schneiden (wo’s eigentlich nichts zu Schneiden gab), Farbe einschmieren, Farbe wirken lassen, Klatschen und Tratschen, Farbe auswaschen, Fönen, Geelen und in den Spiegel schauen und Tränen in den Augen spüren. Gut, dafür wurde mein langweiliger Abend um zwei Stunden amüsant verkürzt. Doch eins steht fest:

Heute werde ich wieder dort sein und lasse mir die Haare zurückfärben...


Freitag, 25. Januar 2008

Kunst am Mittag Nr.2

Mund um Mund, die Welt ist rund.

Ich tue das kund mit meinem Mund.

Drum ist die Welt so kugelrund.




Mittwoch, 23. Januar 2008

Ich bin ein Arzt, holt mich hier raus!




Nach meinem "Grey's"-Blog bekam ich einen Anruf von den Universal Studios:
Sie wollen mich als neuen McDreamy.


Yes!

Keine Angst, ich bin Arzt!



Vom Quadriceps femoris über den Musculus soleus waren gestern Abend alle Fasern meines Körpers angespannt. Ein Herzinfarkt hätte das Serienfinale der dritten Staffel von "Grey’s Anatomy" zu einer gemütlichen Kaffeefahrt gemacht. Doch es musste alles anders kommen: (Grey-Geeks sollten jetzt besser nicht weiterlesen!)

Zuerst muss ich (ein kleiner, selbsternannter Serienexperte) ein auftretendes Phänomen beschreiben:

Handlungsverlauf einer amerikanischen Soap Opera ab der zweiten Staffel

Das Verfahren, bis eine Serie in den Staaten ausgestrahlt wird, ist lang. Nachdem ein Pilotfilm vor einem Testpublikum und in der Prime Time bestanden hat, wird eine erste Staffel produziert. Meistens mit anderen (oder aufwändigeren) Kulissen und vielen inhaltlichen Änderungen. So wurde aus der eher ernsten Ärzteserie (wie es der Vorläufer war) „Grey’s Anatomy“ eine gefühlsintensive Story mit dem Schwerpunkt „Zwischenmenschliche Beziehungen der Ärzte/innen und ihren Assistenten/innen“. Die Grundidee der Off-Erzählerin (analog „Sex and the City“) und den medizinisch komplizierten Fällen kam als Pilotfilm zwar an, das Publikum forderte aber mehr Gefühl. Die Produzenten reagierten postwendend auf dieses Verlangen und kreierten so eine der zur Zeit erfolgreichsten Sendungen Amerikas. Aber eben: Zur Zeit!

Wie schon bei „O.C., California“, „One Tree Hill“ oder „Dawson’s Creek“, Serien bei denen die Geschichte extrem von den Hauptfiguren abhängig ist (und dadurch der erwünschte Identifikationsfaktor sehr hoch steht), sind auch bei „Grey’s“ die Leiden der bestehenden Protagonisten nach der zweiten Staffel ausgeschöpft. Die Drehbuchautoren (so hoffe ich, dass der Streik ihre Fantasie aufgefrischt hat) sind so ab der dritten Staffel gezwungen die einfallslosen Storys von Schwangerschaften und ihren Abbrüchen, Halbschwestern und ihren Geldsorgen, verstorbenen Eltern und ihren Alkoholproblemen und schlimme Vergangenheiten wieder aufleben zulassen. Resultat ist eine unglaubwürdige Geschichte à la „Lüthi und Blanc“.

Die Soap Opera droht zu scheitern, die Einschaltquoten sinken in die Tiefe und ein Absetzen ersterer wird in Erwägung gezogen. Ein schneller und schlechter Schluss der Serie betrübt dann die richtig harten Fans. Ist dies also der Lohn für das stundenlange mitzittern vor der Mattscheibe? Ich hoffe nicht.

Die Frage, ob „Grey’s Anatomy“ in einer anderen Konstellation (d.h. wie ursprünglich geplant: anstatt 20% Medizin und 80% Gefühle eine Mischung von 49% Medizin und 51% Gefühle) je so erfolgreich geworden wäre, liegt auf der Zunge. Ich denke nicht. Aber! Eine längere Lebensdauer und weniger schnelle Erschöpfung der Geschichte wäre aus meiner Sicht garantiert gewesen.

So kommt es, dass am Schluss der dritten Staffel von „Grey’s Anatomy“ die Hauptperson Meredith Grey ihren Oberarzt Derek „McDreamy“ verlässt (eine Liebe, die seit Anfang an als unsterblich gegolten hat), Dr. Burke verabschiedet sich von Christina Yang an ihrer Hochzeit, George O’Malley ist durch die alles entscheidende Zwischenprüfung gefallen (schwängert unterdessen seine Ehefrau und lässt sich von Dr. Izzie Stevens die Liebe versprechen) und Alex Karev hört nicht auf sein Herz und lässt die „Patientin ohne Herkunft“ Ava wegziehen. Dr. Montgomery verlässt das Krankenhaus und hat ab dem Sommer ihre eigene Serie „Private Practice“. Die Zukunft der Assistenzärzte ist nun offen - wenn auch sehr unglaubwürdig. Nichtsdestotrotz lässt das Ende den Süchtigen aber auf die Droge „Staffel 4“ warten, welche aus meiner Sicht eventuell die letzte von „Grey’s“ und das Ende dieser Ärzte-Ära werden könnte. Ich denke darum, die Produzenten sollten kurz bei Emergency Room vorbeischauen gehen, denn diese Seifenoper ist nun schon erfolgreich in der 13. Runde. Und dies eben, oder vor allem wegen, der kleinen Dosis Herzschmerz.



Montag, 21. Januar 2008

Tierversuche an mir - oder: Koffein und ich



Was bringt uns heute die Kaffeetasse? Ausser Zahnverfärbung und Mundgeruch wohl nichts. Dies stimmt jedenfalls für mich. Und trotzdem trinke ich eine Unmenge dieser braunen Brühe. Heute habe ich mich gefragt, ob mich das Koffein noch aufputscht oder ob der Gedanke daran die Fitness ausmacht. Quasi ein Placeboeffekt.

Als ich vor kurzer Zeit von Amerika (dem Land der medikamentösen Freiheit) in die Schweiz zurückkehrte, stand ich im Newark-Airport (gerade vor dem Boarden) vor einem Drugstore mit ein paar wertverlierenden Dollars in der Hand. Was tun mit dem restlichen Bargeld der vergangenen Wochen? Für mich, als Filmjunkie, gab es in diesem Moment keine andere Antwort als: Schlaf- und Koffeintabletten als Souvenir nach Hause mitnehmen. In lateinamerikanischen Soap Operas erscheinen diese „strong and free“-Medikamente in jeder zweiten Folge. Wenn die jungen Ärzte für ihre 72h Schicht wach bleiben wollen, so greifen sie zum Aufputschmittel. Bei Liebeskummer schluckt die zerstörte Dame ein Dormikum. Alles natürlich in Höchstdosierung und überall frei erhältlich. (Und wenn diese Medis immer noch zu schwach sind, so fährt der Amerikaner mit seinem Offroader über die mexikanische Grenze und besorgt sich die mortale Dosis. Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten.)

Nun gut. So hatte ich zuhause diese beiden Produkte rumliegen, mit der Idee, sie aus reiner Neugierde irgendwann auszuprobieren. Tatsächlich habe ich dies nun auch getan: Die Schlaftablette kam in einer Grippewelle zum Zug. Einwurf der Pille um ca. 20.32 Uhr, (Zeit des Schlafeintrittes: Unbekannt, jedoch unter 10min.), Erste bekannte Hirnaktivität ca.10 Uhr morgens. Irgendwie bedenklich.

Die Koffeintablette, welche meine Konzentration fördern sollte, habe ich heute morgen als Kaffeeersatz eingeworfen. Nur so eine; nur so zum Spass. (Dafür aber kein Kaffe, kein Redbull, kein Schwarztee oder Cola, kein Guarana oder Matee. Nur eine klitzekleine Tablette, mit dem gebündelten Koffein von vier Tassen Filterkaffee.) Seither bin ich wie auf Strom. Fit wie ein ganz neuer „made in China“ Turnschuh. (Wobei ich eigentlich überhaupt kein Morgenmuffel bin).

Ich denke nicht, dass solche „Drugs“ auf die Länge gesund sein können. Zum Glück gehe ich in der nächsten Zeit nicht mehr an den Newark-Airport, so komme ich nicht mehr in Versuchung, mein Restgeld in irgendwelche Medikamente zu investieren. Ah ja: Ob mich das Koffein noch aufputscht? Ich weiss jetzt: In der entsprechenden Menge schon...


Mittwoch, 16. Januar 2008

Auge um Auge - Kunst am Mittag



Das Auge wacht,

Der Mund, der lacht,

Kunst ist vollbracht.

Dienstag, 15. Januar 2008

Von Blutkörperchen und Abendroben




Der stickig-nasse Pendlerstrom schiebt mich pulsartig vorwärts. Ich befinde mich in der Masse, wie ein Blutkörperchen in der Arterie einer ablebenden Person. Nur die eine oder andere Richtung kann ich mit starkem Seitendruck bestimmen. Die verärgerten, anders orientierten Erythrocyten fluchen meist kurz auf, doch denke ich, dass sie sicher bald vom herrschenden, leichten Regen abgekühlt werden... Mit jedem Atemzug meines Blutträgers gleite ich Meter um Meter, ruckartig aber behaglich, auf den roten Bus zu. Übersät mit kleinen Wassertropfen glitzert das Gefährt im fahlen Licht der Strassenbeleuchtung wie eine Abendrobe aus dem Revolverblatt. Der Bus surrt katzenartig und erscheint wie eine Erlösung aus dem Dunkeln. Die Türen gehen auf, ein Rinnsaal einer anderen Blutgruppe mischt sich unter meine und ich denke, beim Anstarren der Grimassen, dass Mischblut so nicht gut sein kann: Irgendjemand steht immer vor einer Türe, irgendjemand drängt sich immer in die auftreffende Front. Die Grimassen werden zu bellenden Bluthunden, die soeben Elixier gerochen haben.

Ich ziehe den körnigen Duft vom nassen Asphalt in die innersten Windungen meiner Nase, winkle das rechte Bein an und trete in die heiligen Hallen meiner Abendrobe. Blutarmut herrscht: Der Bus ist halb leer. An anderen Tagen manchmal halb voll. Ich muss endlich Blut spenden gehen.



Blutarmut herrscht in der Schweiz! Besonders die seltene Blutgruppe AB (5%) ist rar!

Spende Blut, rette Leben.