Dienstag, 15. Januar 2008

Von Blutkörperchen und Abendroben




Der stickig-nasse Pendlerstrom schiebt mich pulsartig vorwärts. Ich befinde mich in der Masse, wie ein Blutkörperchen in der Arterie einer ablebenden Person. Nur die eine oder andere Richtung kann ich mit starkem Seitendruck bestimmen. Die verärgerten, anders orientierten Erythrocyten fluchen meist kurz auf, doch denke ich, dass sie sicher bald vom herrschenden, leichten Regen abgekühlt werden... Mit jedem Atemzug meines Blutträgers gleite ich Meter um Meter, ruckartig aber behaglich, auf den roten Bus zu. Übersät mit kleinen Wassertropfen glitzert das Gefährt im fahlen Licht der Strassenbeleuchtung wie eine Abendrobe aus dem Revolverblatt. Der Bus surrt katzenartig und erscheint wie eine Erlösung aus dem Dunkeln. Die Türen gehen auf, ein Rinnsaal einer anderen Blutgruppe mischt sich unter meine und ich denke, beim Anstarren der Grimassen, dass Mischblut so nicht gut sein kann: Irgendjemand steht immer vor einer Türe, irgendjemand drängt sich immer in die auftreffende Front. Die Grimassen werden zu bellenden Bluthunden, die soeben Elixier gerochen haben.

Ich ziehe den körnigen Duft vom nassen Asphalt in die innersten Windungen meiner Nase, winkle das rechte Bein an und trete in die heiligen Hallen meiner Abendrobe. Blutarmut herrscht: Der Bus ist halb leer. An anderen Tagen manchmal halb voll. Ich muss endlich Blut spenden gehen.



Blutarmut herrscht in der Schweiz! Besonders die seltene Blutgruppe AB (5%) ist rar!

Spende Blut, rette Leben.


1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Hast du eigentlich deinen Blog in der Bewerbung erwähnt? Find' ich gut. :)