
Alles beginnt friedvoll mit fröhlichem Vogelgezwitscher. Nach guter, alter Disney-Manier ist der Zuschauer der weihnachtlichen Liebeskomödie „Enchanted / Verwünscht“ sofort im bunten Geschehen des Zeichentrickland Andalasien gelandet. Diese Märchenwelt wird unterdrückt und gleichzeitig regiert von der bösen Königin (oder Hexe? Eigentlich beides...) Narissa (Susan Sarandon). Die Zauberin leidet an extrem ausgeprägtem Verfolgungswahn und einem kleinen Selbstbewusstsein. Resultat aus diesen Störungen ist der Glaube daran, dass sich die wunderschöne Giselle (Amy Adams) den Königsthron unter die purpurgestrichenen Fingernägel reissen will. Doch sie irrt! Giselle, eine Art Dr. Doolittle aus der Fabelwelt (sie kann die Waldbewohner zum Nähen von Abendroben missbrauchen), will nicht den Thron von Narissa, sondern nur ihren Sohn, den Prinzen Edward. Dies ist aber wohl nicht minder schlimm und läuft am Schluss auch zum Besitz der Kronjuwelen hinaus.
Die böse Hexe weiss eines Tages nicht was sie will, weil sie ihre Psychopharmaka nicht pünktlich genommen hatte und verbannt alle tragenden Figuren plus ein animiertes Backenhörnchen nach New York auf den Time Square. Wie kommt eine Fantasiefigur in der realen Welt zurecht? Eine Frage, wie sie noch nie gestellt und ebenso beantwortet wurde. Die Spannung existiert so fest, wie es die Zahnwurzel eines Kukident-Gebisses tut.
Zu allem Übel, als hätte der Zuschauer noch nicht genug Probleme, taucht noch ein realer, (un)-glücklich (zuerst noch-, dann nicht mehr verliebter) Scheidungsanwalt im Film auf. Giselle verliebt sich in den Burschen (Grey’s Antaomy Star Patrick Dempsey). Die Quintessenz ist natürlich, dass nur der Jurist die vergiftete (roter Apfel – wie originell!) Giselle mit dem „wahre-Liebe-Kuss“ aufwecken kann. Der Prinz bleibt da auf der Strecke. Die Hexe wird wütend, macht einen auf Gorilla-Gozilla-Klon und verschwindet auf dem Empire State Building. Die Geschichte endet mit einem voraussehbaren Happy End: natürlich mit zwei Hochzeiten. Die Welt ist nicht nur schwarz und weiss, sondern auch noch kitschig purpurrot. Elton John würde vor Neid erblassen.
Die Fabelwelt, aufgebaut von Altregisseur Kevin Lima (The Lion King), ist ein Verschnitt verschiedener Disney-Klassiker, die zu einem grossen und unbekömmlichen Kuchen zusammengepappt wurden. Etwa so, wie es im Horror-Genre mit Scary Movie üblich war. Von Dornröschen über Bambi bis zu den sieben Zwergen wird alles, nicht mal lustig sondern nur kitschig, dargestellt. Die Hälfte des Textes wird in billigen Reimen und abgekauter Musik im Mary-Poppins-Style geträllert und Choreografien halbherzig mit Zweitklasseballerinas und Lowbudgettänzer inszeniert. Die Ausrede, ich sei ein Mann, dem dies einfach nicht gefallen könne, zählt nicht. Meiner Freundin passte dieser Film nun wirklich auch nicht.

1 Kommentar:
Womit bewiesen wäre das Menschen ohne Fleisch & Alkohol nur auf dumme Ideen kommen.
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