Montag, 14. Januar 2008

Das liebe Fleisch - #2



Jeder Besuch im Einkaufszentrum erscheint mir wie eine kleine Reise ins Schlaraffenland (von mhd. sluraff = Faulenzer; „Das Land der faulen Affen“). Ich im Land der Völlerei, nur ohne Mund. Doch anstatt Fressalien in den Einkaufswagen packen zu können, muss alles durch diesen vegetarischen Filter geschoben werden. Wie ein Metalldetektor an einem Flughafen, nur dass er nicht bei Metall, sondern eben bei Fleisch piepst.

Filmriss? Kurz zur Erinnerung: Weil ich in einem Anflug von Überheblichkeit meine Freundin als Säuferin betitelt habe und sie mich danach einen Fleischfresser geschimpft hatte (was für sie als Vegetarierin ihr gutes Recht war), haben wir einen Abstinenz-Pakt geschlossen. Einen Monat kein Fleisch essen (ich) und kein Alkohol trinken (sie). Den ganzen Januar lang.

Mein Bruder hat, als Akt der Bosheit, die Post-Weihnachtlichen Fleischaktionen genutzt und ein Fondue Chinoise veranstaltet. Dafür sind ihm nun schon zwei kleine Hörnchen seitlich der Stirn gewachsen und seit kurzem begleitet ihn ein penetranter Schwefelgeruch.

Dieser Abend war schon deftig. Ich habe mich zwar dafür entschlossen den Kampf aufzunehmen und wollte mich den Ängsten stellen, doch war dies harter als gedacht. (Eine Möglichkeit wäre das Meiden dieses Abendessens gewesen, doch erschiens mir nicht als geeignete Lösung. Mein Bruder sollte seine Freude haben...) So besorgte ich mir eine Packung „M-Budget Tofuplätzli“ und kaute, während alle anderen das Fleisch in die Bouillon tünkelten, auf diesen herum. Nun weiss ich, wie sich ein Diabetiker in einer Confiserie fühlen muss. (Du möchtest, aber kannst nicht.)

Unterdessen habe ich mich etwas mit meiner Situation abfinden können. Anstatt Ravioli mit Fleischfüllung esse ich Ravioli mit Ricottafüllung. Das Pouletcurry wird zu Curryreis mit Früchten, vom Ragout mit Teigwaren esse ich nur noch die Teigwaren. Dafür aber doppelt so viele.

Ist das alles nur Einstellungssache? Werde ich am Ende dieses Selbstversuches vielleicht Vegetarier bleiben? Im Moment, in der Halbzeit, erscheint mir ein solcher Gedanke schon noch recht weit weg zu sein. Doch wie schon Samwise Gamgee ganz am Anfang der drei Büchern (bzw. sechs Büchern, je nach Fassung) von Lord of the Rings zu seinem Freund Frodo Baggins gesagt hatte: „It’s a long way to go“. Und das Unmögliche wurde möglich...


4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Also ich werde am Ende dieses Selbstversuches garantiert nicht Abstinentlerin...

Anonym hat gesagt…

Als "Mitesserin" bei dem boshaften Znacht kann ich nur sagen: köstlich ist dein Bericht darüber!

cee hat gesagt…

es gibt M-budget-Tofu?? Tofu ist toll, man muss nur wissen, wie zubereiten.

Anonym hat gesagt…

Das hani doch härzensgärn gmacht :-)
und i würds grad wider mache!!!!
Säuber tschud hehehe