Dienstag, 23. Oktober 2007

Newsletter aus Amerika IX; 23.10.07




Da krabbelte diese grosse, haarige Spinne unter dem Frottetuchhaufen hervor, welcher vis à vis von der WC- Schüssel auf die Putzdame wartete, und genau auf mich zu. Lautlos heranschleichend wie die Mörder in den guten, alten Hitchcock Filmen. Nur ohne diese brutal aufgezogene und nervenzerreissende Spannung. Der Horror aber bleibt.

Ich, das Opfer, las genüsslich auf der bereits warmen Schüssel "The Record". Anfänglich spürte ich zwar keinen "Hauch des Todes", jedoch ein leichtes Kribbeln am linken Unterschenkel. (Dieses Gefühl ist aber auch nicht zu verachten!) Genau über dem einschneidenden Ende der Socke. Ein flüchtiges Kratzen mit der linken Hand (mit der Rechten hielt ich immer noch die Zeitung - und die Augen fixierten die Zeilen) bis sich das unbekannte Gefühl am Bein nicht als eine Fliege oder sonst was entpuppte, sondern als eben diese fette, grosse schwarze Spinne. Da biss sie auch schon zu.

Panik? Erstaunlicherweise nicht.

Nachdem ich die Spinne mit einem Glas gefangen und danach dem Abwasser gleichgemacht hatte, besuchte ich den lieben allerwelts- José von der Reception. Dieser erklärte mir dann, je grösser die Spinne sei, desto ungiftiger sei sie auch. Wobei ich später immer an die Vogelspinne denken musste, welche ja recht giftig und recht gross ist. Ein wenig Zweifel hatte ich schon noch an seiner Theorie. (José haben, nach seinen Angaben, schon mehrere duzend kleine und grosse "spiders" gebissen. Mit einem grossen Grinsen hat er mir gesagt: "I am alive!" Na dann: Happy Birthday!)

Doch mein Fuss ist immer noch dran (und auch nicht schwarz) und alles wird -hoffentlich- gut. (Beim Einschlafen hatte ich schon noch Mühe, das Bett suchte ich jedenfalls am Abend noch mehrmals nach anderen Spinnen ab.)

Gestern ist nun auch noch Bojan abgereist. Wir sind noch zu dritt vom gleichen Arbeitgeber. Zwei ältere Männer und ich.
Dementsprechend werden die Abende immer wie länger, das Hotelzimmer immer wie uninteressanter. Alleine in das Kino gehen ist doch auch recht öde und Schoppen macht auch halb so viel Spass. Darum kommt, zur Beschäftigung meinerseits, die Auswertung der Umfrage: "Was würdest Du am meisten von der Schweiz in Amerika vermissen."

Die besten Antworten: Worber Zwickelbier, Marronis, die Söhne Simon und Cédric (Mutti und Vati haben den Tränendrüsen- Trick angewendet!), Schweizer Hahnenwasser, YB (Naja!),
Peach Webber (Naja- Naja!), Volksmusik mit Sepp Trütsch (Aber nicht das Schweizer Fernsehen!), Berndeutsch (Aber nicht Zürichdeutsch!)
Die Jury muss sich nun noch über den GewinnerIn beraten.

Ich sage nur noch: Haltet die Spinnen an der Leine!

8 Kommentare:

cee hat gesagt…

Hui! Also in unserer WG lebt auch eine Vogelspinne. Die ist allerdings farbenfroher als das Riesending auf deinem Foto. Ich hätte sie aber doch nicht einfach runtergespült. Was, wenn das Bein plötzlich angeschwollen wäre, was, wenn eine Blutvergiftung die Paramedics in dein Hotelzimmer geholt hätte und sie hätten wissen wollen, was für eine Spinne es gewesen war? Doch hoffentlich ist alles doppelt harmlos und die Spinne einfach wie alles in New York grösser als gewohnt.

Anonym hat gesagt…

Heute Abend trinke ich einen Vodka Tonic auf deinen Biss. Das funktioniert übrigens auch alleine, falls du immer noch nicht weisst was machen... :)

Cédric Lucien hat gesagt…

Unsinn war: Das Runterspülen der Spinne. Unsinn wäre: Alleine im Hotelzimmer den Spinnenbiss mit Wodka begiessen.

Blödsinn wäre: Zusammen mit der Spinne einen Vodka auf die WC- Spülung trinken.

Wahnsinn wäre: Die Spinne erzählt mir nach dem dritten Vodka einen schmutzigen Witz.

Drum bleibe ich lieber bei der halluzinogenen Wirkung des Spinnengiftes. Dieses benebelt die Sinne.

Anonym hat gesagt…

Du müsstest mal Bukowski lesen, dann sieht man solche Dinge anders... ;)

Cédric Lucien hat gesagt…

Nun beleidigst Du mich aber. Natürlich habe ich Teile (!) von Bukowski gelesen...

Anonym hat gesagt…

Ui, entschuldige.

Da du scheinbar trotzdem, also auch nach Bukowski, nicht alleine trinken willst, stosse ich sonst heute um 9 Uhr gedanklich mit dir an.

Die Komas im vorigen Satz sind jetzt wahrscheinlich recht komisch gesetzt.

Cédric Lucien hat gesagt…

Ich habe "der Mann mit der Ledertasche" gelesen, war aber nicht sonderlich begeistert davon. Zu provokanter Schreibstil für meinen Geschmack. Und allem Anschein nach verleiten seine Bücher zum Alkoholkonsum... (Du würdest besser, anstatt zu trinken, deine HP wieder zum laufen machen! Ich will wieder Michi sehen!!!)

Cédric Lucien hat gesagt…

Ps: Neun Uhr deine Zeit ist bei mir drei Uhr. Zu früh um zu trinken...