Donnerstag, 25. Oktober 2007

Newsletter aus Amerika X; 26.10.07




Weisst Du wie es sich anhört, wenn der zimmereigene Feuermelder angeht? Nicht wegen Eigenverschulden, nein, wegen den Indern.

(Wenn ich nun den zweiten Satz so durchlese, dann merke ich, dass er vielleicht nicht ganz politisch korrekt geschrieben ist. Ich werde dies aber etwas später klären.)

Die Sirene des Feuermelders fühlt sich etwa so an, wie wenn Dir mit einer riesigen Goldbarre das Hirn aus dem Kopf geklopft wird. Oder wie ein galaktischer Donnergrollen. Oder wie die Pizza "Diablo" vom Luigi (der vorne an der Ecke). Glaube mir, Du musst einfach aus dem Zimmer in den Gang hinaus und von dort ins Freie. (Ich glaube, dies könnte auch das Ziel dieses Feueralarms sein. Egal...)

Doch etwas fehlte an der ganzen Sache: Wo blieb der Rauch? Wo das Feuer? Nur ein strenger, verbrannter Gestank nach Curry lag in der Luft. Da ging mir ein Lichtlein auf: Die Inder.

Ich glaube ich muss etwas ausholen: In dem Hotel (eigentlich ist es kein richtiges Hotel, eher ein Haus mit vielen Suiten und einem Romservice) leben zu 98% Inder und der Rest sind wir, die Schweizer. Die Inder arbeiten in einer nahegelegenen Informatikgesellschaft als Programmierer. Mitgenommen nach Amerika haben sie ihre Kinder und die Frau, welche jeden Abend in den farbigsten Tönen für den hungrigen (aber trotzdem hageren) Ehemann kocht. Zum Zubereiten der Speisen haben sie meistens die Türen offen, aus diesen Öffnungen verströmt sich der Geruch der Gewürze und der indischen Musik (vermischt mit lautem indischen Getratsche) in das ganze Hotel. Wenn dann halt das Getratsche zu intensiv wird und die Bräune des Currys zunimmt, wird Dir das Hirn mit einer Goldbarre aus dem Kopf gematscht. Feueralarm.

Als ich heute aus der Suite sputete (den Fotoapparat konnte ich noch rechtzeitig einpacken) und danach vor dem Hotel stand, kam ich mir schon etwas dumm vor. Weder Portemonnaie, Reisepass noch Pullover hatte ich auf mir. Was, wenn die Flammen doch existiert hätten? Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass ich mich im Verlauf des Abends noch verbessern konnte. Der Feueralarm ging vier Stunden später noch ein zweites Mal los.





Grosses Aufgebot der Morris Plains Feuerwehr: 1. Fehlalarm: Zwei Löschwägen, ein Einsatzleiterwagen, ein Polizeiauto.
2. Fehlalarm: Zwei Löschwägen, ein Einsatzleiterwagen, zwei Polizeiautos und eine Ambulanz. Respekt.

Ich erinnere mich an Äsops Fabel "der Hirte und der Wolf". Dieser Hirte ruft zwei Mal aus Langeweile die Dorfbewohner zur Hilfe, weil angeblich der Wolf die Schafe angreifen wollte. Der Wolf war nicht vorhanden und die Dorfbewohner waren über diesen Streich gar nicht erfreut. Beim dritten Mal griff der Wolf tatsächlich die Herde an, da kam leider dem Hirten keine Hilfe mehr entgegen. Die Schafe wurden alle gefressen!

So hoffe ich, dass die Feuerwehr auch noch ein drittes Mal kommen wird.

Bis dann koche ich mir ein feines Aloo Gobi mit einem Masoor Dal. Oder doch lieber ein Fondue?

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Amerika zieht ja alle Register, um dich nachhaltig zu beeindrucken!

Wir sind froh, war's dann nur der Curry... Bestimmt hast du nun ein Notfallmäppli mit allen wichtigen Sachen wie Grosi. Das nimmt es in die Hand, wenn es stark gewittert!
Bis bald Mapa

cee hat gesagt…

Ich finde vor allem den Namen des Hotels, CANDLE WOOD, eine gute Voraussetzung für einen weiteren, diesmal erwünschten Feuerwehreinsatz.

Anonym hat gesagt…

Lieber Cedi,
soeben habe ich deinen Bericht gehört und war sehr beeindrucht, aber ich mache mir auch ein wenig Sorgen um dich!
Wir sind froh, wenn du bald wieder bei uns bist!
Grosi Margrit und einen lieben Gruss vom Grosspapi