Mittwoch, 21. November 2007

Geschichte und ich - Italien II



Der Wandel der Welt kann einfach nicht aufgehalten werden. Was einmal war, ist heute vergessen. Gegenwart wurde Vergangenheit, Vergangenheit wurde Geschichte und Geschichte wurde Legende...

Die erste Schneeflocke, welche ich in Italien gespürt habe, ist mir heute direkt auf den kalten Nasenspitz geflogen. Eigentlich hätte ich die Flocke gar nicht bemerkt, da die Nase durch die Kälte gefühllos geworden war. Ich habe das weisse, glitzernde Ding nur wahrgenommen, weil ich es gesehen habe. Zwischen meinen Augen schwebte es. Die Landung auf der Nase habe ich mir danach nur denken können.

Wie vergänglich ist doch dieser filigrane Kristall. Kaum auf der Erde angekommen schon wieder mit der Ewigkeit verschmolzen.

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Die Norditaliener sind nicht zufrieden mit dem Wetter, mit der Kälte und den tiefen Temperaturen. In der Schweiz sprechen viele von einer „meteorologischen Normalisierung“ weil endlich wieder Mitte November die schimmernde Pracht auf dem Lande liegt. Viele loben in den Medien den „Ökoboom“, denn er hat ja sichtlich Früchte getragen. Was will der Schweizer mehr, als endlich wieder eine weisse Weihnacht zur Weihnacht? Nichts.

Aus meiner Sicht ein zu frühes Urteil. Eine voreilige Begrabung des Kriegbeils gegen die Umweltverschmutzung. Wie sieht es nächstes Jahr aus, in zehn Jahren oder in hundert? Wir werden uns selber zu Grabe tragen, das steht fest. Die Warnungen der Erde, sind so deutlich, die dürfen doch nicht ignoriert werden!

Vierhundertfünfzig Kilometer von Bern entfernt ist das gleiche Szenario im Gange wie in der Schweiz in den letzten Jahren. Zu wenig Niederschläge hat es zwischen Mailand und Venedig in letzter Zeit gegeben. In Venedig steigt der Wasserspiegel aber ununterbrochen. Zum einen ist in den vergangenen hundert Jahren der Wasserspiegel in der Adria um etwa acht Zentimeter angestiegen. Ursache dafür ist die Erwärmung der Atmosphäre, die zur Erhöhung der Wassertemperatur und damit zur Ausdehnung der Meere führte. (Zum anderen ist die Stadt in der Lagune in den letzten Jahrzehnten schneller abgesunken als in den Jahrhunderten davor, und auch daran sind die Menschen schuld.)

Die Trockenheit hat zu Ernteausfällen geführt, Wein- und Gemüsebauern leben hier am Existenzminimum. Die Lebenslage wird nicht besser... Und nun kommt noch diese frühe Kältewelle herangezogen. In Norditalien ist Schneefall erst Mitte Januar gewöhnlich. Hier stimmt überhaupt nichts mehr. Der „Ökotrend“ hat hier, bis jetzt, überhaupt nichts gebracht.

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Ich möchte wissen, wie diese Phase der menschlichen Selbsteliminierung in zweihundert Jahren in den Geschichtsbücher stehen wird. Oder vielleicht gerät dieses schwarze Kapitel der Erdbevölkerung sogar in Vergessenheit. Vergangenheit wurde Geschichte. Geschichte wurde vergessen und verdrängt...



1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Dermassen pessimistisch? Das kenne ich gar nicht an dir!
Schön, dass du dir Gedanken über unsere Erde machst - zusammen können wir etwas bewirken!
Herzlich eine Priusfahrerin