Freitag, 16. November 2007

Versace und ich - Italien I





Die Zugfahrt mit dem Cisalpino nach Milano war für mich schon ein richtiges Erlebnis. Dabei bin ich ja eigentlich ein geübter Zugfahrer.

Aber nun von vorne: Ich reiste heute nach Brescia ab, via Thun und Milano, wo ich mehrere Wochen arbeiten werde. Das Weekend verbringe ich aber jeweils zuhause. Die letzten Tage habe ich unter Stress, viel Arbeit, wenig Schlaf und massivem „tout-de-suite“ gelitten, da versteht dann auch jeder, warum ich in Thun in den Cisalpino gestiegen und erst wieder in Domodossola aufgewacht bin. Geweckt durch drei uniformierte Männer in hässlichem Grün, welche in gebrochenem Italienisch in einem Chor zu mir bellten: „Eh, Identificatione!“ Ein anderer knurrte darauf: “Mit däm chasch Dütsch rede, dä list ja ou dr Potter uf Dütsch...“ Ich ganz schlaftrunken begrüsste die Zollbeamten zuerst mal mit einem verwirrten „bonjour“. Mein Sprachhirn, immer noch auf Französisch eingestellt, war irgendwie noch nicht auf einen ersten Italo- Kontakt vorbereitet. Dann wechselte auch ich auf Deutsch. Die spätere Konversation mit den Beamten war aber sehr amüsant und verkürzte die Fahrt um ganze 30 Minuten. Als ich ihnen erzählt hatte, warum ich nach Brescia gehe, wollten sie unbedingt mehr wissen. Bis alle in meinem Abteil abgesessen waren und eifrig über Fussball diskutierten. (Leider konnte ich da kaum noch mitreden. Egal.)

Wieder von den grünen Männern verlassen, fühlte ich mich genug ausgeruht, um mich wieder an den letzten Teil des legendären Harry Potters zu machen. Doch nun war mein Wagen voller Italiener. Nebst dem penetranten Gemisch von Parfum und Rasierwasser war die Luft voller Klingeltöne schriller Handys und lautem exzentrischem Getratsche. Guetnachtamsächsi.
(Hinter mir hat sogar ein älterer Mann, wie klischeehaft, eine italienische Oper in voller Lautstärke gehört. Fiiiigarooooo, Fiiiigaroooooo, Figarofigarofigarofiiiiiigaroooo...usw.)

In Brescia liegt momentan noch kein Schnee trotz der eisigen Kälte. Blauer Himmel muss ja auch nicht immer wohlige Wärme bedeuten. Zum Glück habe ich den Faserpelz bereits in der Schweiz anziehen müssen.

Mein Hotel ist ja wohl der Oberwahn. Es liegt etwas oberhalb von Brescia, mit direkter Sicht auf den Gardasee. Mein Zimmer hat einen Balkon (auch mit direkter Sicht auf den Gardasee!) und eine Tausenddüsen-Dusche mit Regenwaldsimulation. (Dafür aber nur eine stinknormale Telefonleitung, welche ich für das Internet brauchen könnte.) Das Zimmer ist zwar recht rustikal, das Bett ist aber nach der guten alten Versace-Manier in Raubtiermuster gehüllt. Werde ich dort nun wilde Wildkatzen Träume haben? Wir werden es sehen...

1 Kommentar:

Andreas Hobi hat gesagt…

Interessanter Reisebericht! ;o)