Donnerstag, 3. Januar 2008

Meine Selbstkasteiung und ich





Noch fünf Minuten bis Mitternacht. Ich sage zu Sue, meiner Freundin: "Ich denke... Nein, ich meine, dass du zu häufig -zu regelmässig- Alkohol trinkst. Vielleicht hast du einfach auch nur den Wein zum Fondue zu gerne. Oder den Grappa danach. Egal." (Das ich eigentlich auch immer mittrinke, wenn sie trinkt, verschweige ich galant.) Nach einem kurzen Blick auf die Uhr, es ist vier vor zwölf, entgegnet mir Sue: "Und ich glaube... Nein! Ich weiss es: Du isst zu viel Fleisch!" Und diese Worte aus dem Mund einer Vegetarierin. Essig in meine Wunden. Zugegeben steckt vielleicht in ihren Gedanken ein kleines Körnchen Wahrheit. Zumal ich mich über die Festtage immer sehr ausgiebig am traditionellen Fondue Chinoise bediene.
So haben wir zwei Minuten vor Neujahr einen kleinen Pakt geschlossen, der einen Verzicht auf die Völlerei und Sauferei besiegelte. Einen ganzen Monat lang - der Januar soll die Leiden bringen!

Wie in den guten alten Märchen, darf auch in unserer Geschichte kein "Geben und Nehmen" fehlen. Die Guten müssen belohnt und die Schlechten bestraft werden. Stinkende Alchimisten in den Kerker zu den Ratten, rettende Prinzen in das Königshaus zu den Prinzessinnen. So einfach ist das.
Unsere Messerstiche bei Regelverletzung sind: Wenn ich meinen fleischlichen Essgelüsten nachgehe = 100 Franken Spende an die Tierschutzorganisation PETA. Wenn Sue ein alkoholhaltiges Wässerchen trinkt = 100 Franken Spende an das Blaue Kreuz.

Nun heisst es ausharren - und schon am zweiten Tag besuchte ich den gelben Riesen als temporärer Vegetarier und bestellte einen Fisch-Mac. Oder wie heisst dieses schlappe Brötchen schon wieder? Ah ja: "Filet-o-Fish". Ich glaub, ich gewöhn mich wohl nie daran...
In der Kantine nahm ich nun das Vegi-Menü, ass im Tibits ein überteuertes Toffu-Tomaten-Sandwich und genoss das dürftige(!), fleischlose Angebot an Fertigprodukten vom Coop Burgdorf.
Ich denke, wenn die Nahrungsbeschaffung weiterhin so mühsam verläuft, wird es bald eine Titeländerung in der Weltliteratur von "die Leiden des jungen Werthers" in "die Leiden des jungen temp. Vegis" geben müssen.

E Guete!

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Haha... Ich fühle mich schuldig. :)
Obwohl, wenn ichs mir recht überlege esse ich eigentlich kaum Fleisch.